Historie

Die Geschichte des Bethlehemstifts

Ein Haus, das seit Generationen seine Türen öffnet

Am Rand des Waldes, oberhalb des Sehmataler Ortsteils Neudorf, steht ein Haus, das mehr als ein Jahrhundert erlebt hat. Kinder kamen hierher, um neue Kraft zu schöpfen. Menschen fanden Gemeinschaft, Schutz und Zuversicht. Draußen wechselten Zeiten, Systeme und Generationen – doch das Bethlehemstift blieb ein Ort des Ankommens.

Gruppenbild von Kindern in Festkleidung mit Betreuerinnen vor dem alten Bethlehemstift
Kinderfest im alten Bethlehemstift

Die ersten Spuren

Die Anfänge: ein Ort für Kinder

Bereits vor dem Bau des heutigen Haupthauses bestand in Neudorf ein Bethlehemstift. Es diente der Erholung und Betreuung von Kindern. Die Lage am Wald und das weitläufige Gelände boten gute Voraussetzungen für Aufenthalte in der Natur.

Historische Aufnahmen und Dokumente belegen, dass Kinderfeste und gemeinschaftliche Aktivitäten schon in dieser frühen Zeit zum Leben des Hauses gehörten.

Aufbruch · 1912

Ein neues Haus entsteht

Im Jahr 1912 entstand das heutige Haupthaus nach Plänen des Dresdner Architekten Curt Herfurth. Das große Walmdach, die gegliederte Fassade und der Uhrturm prägen das Erscheinungsbild des Bethlehemstifts bis heute.

Am 12. Juli 1912 besuchte der sächsische König Friedrich August III. das neu errichtete Haus. Dieser Besuch ist durch eine historische Fotografie dokumentiert.

Gruppenfoto von Zimmerleuten auf einer Eingangstreppe, zwei von ihnen mit großen Laubgebinden
Zimmerleute, die beim Bau mitgearbeitet haben
König Friedrich August III. mit weißem Hut im Gespräch mit Herren in dunklen Anzügen
12. Juni 1912: König Friedrich August besucht das Bethlehemstift (König mit weißem Hut, rechts daneben Amtshauptmann Dr. Weißwange)

Zeiten des Wandels · ab 1914

Ein Haus in unruhigen Zeiten

Nach Beginn des Ersten Weltkriegs wurde das Bethlehemstift 1914 dem Roten Kreuz für Lazarettzwecke beziehungsweise als mögliche Lazarettzweigstelle zur Verfügung gestellt.

Gleichzeitig blieb die Aufnahme von Kindern eine wichtige Aufgabe. Aus kommunalen Aufzeichnungen geht hervor, dass 1917 allein aus Schlettau sieben Kinder für einen Aufenthalt im Bethlehemstift vorgeschlagen wurden.

Historische Ansichtskarte: das Bethlehemstift mit Uhrtürmchen und Nebengebäude vor dem Wald
Das Bethlehemstift im Jahr 1924

Erholung und Gemeinschaft

Das Bethlehemstift als Kinderheim

Über viele Jahrzehnte wurde das Haus als Kindererholungs- und Kindergenesungsheim genutzt. Auch während der DDR-Zeit fanden hier christlich geprägte Ferienaufenthalte für Kinder und Jugendliche statt. Persönliche Erinnerungen ehemaliger Gäste berichten von gemeinschaftlichen Schlafräumen, Spiel- und Bastelangeboten sowie einer familiären Betreuung durch Heimeltern und Mitarbeitende.

Historische Ansichtskarte: das Bethlehemstift mit Nebengebäude im Sommer
Historische Ansichtskarte: Kinder auf Bänken und Liegestühlen vor dem Bethlehemstift
Historische Ansichtskarte: das Bethlehemstift im Schnee

Neue Aufgaben · ab 2013

Vom Erholungsheim zum Erzgebirgshof

Im Jahr 2013 übernahm der Diakonische Verein „Neue Wege e. V.“ den Erzgebirgshof Bethlehemstift. Neben dem Herbergsbetrieb entstand ein betreutes Wohnangebot für Menschen nach einer abgeschlossenen Suchtbehandlung.

In den folgenden Jahren wurden zahlreiche Bereiche des Hauses und des Außengeländes instand gesetzt. An diesen Arbeiten beteiligten sich Mitarbeitende, Ehrenamtliche und Bewohner des betreuten Wohnens.

Luftbild des Haupthauses mit Uhrtürmchen und grünen Fensterläden, davor Parkplatz und Sitzbänke

Das Bethlehemstift heute

Historisches Haus mit gegenwärtiger Aufgabe

Seit 2024 wird das Bethlehemstift durch die gemeinnützige Gesellschaft „Bethlehemstift Neudorf im Blauen Kreuz“ weitergeführt. Heute stehen das historische Haupthaus, weitere Unterkünfte und das rund 2,5 Hektar große Gelände Familien, Gruppen, Schulklassen, Kirchgemeinden und Einzelgästen offen. Gleichzeitig bleibt das betreute Wohnen für suchtkranke Menschen ein wichtiger Teil der Arbeit.

Damit verbindet das Bethlehemstift seine ursprüngliche Aufgabe als Erholungsort mit den sozialen und gemeinschaftlichen Angeboten der Gegenwart.